Rückblick auf die Kocholympiade 2012

Anfang des Jahres wurde der 1. Modellbauclub Mainz von der Bundeswehr in Mainz angesprochen, ob er nicht bei der Gestaltung des Tisches für die Kocholympiade helfen möchte.

Die Kocholympiade sieht zwei Disziplinen vor, welche aus Restaurant und Plattenschau bestehen. Die Plattenschau sieht nur einzelne Platten (Teller) mit einigen Speisen vor. Bei der Disziplin Restaurant werden durch das Kochteam ca. 150 Gäste bewirtet.

Nach dem ersten Termin mit den Köchen der Bundeswehr wurde schnell klar, es geht um die Dekoration der Tischplatte für die Plattenschau. Folgendes sollte realisiert werden: Der Mannschaft der Bundeswehr steht eine Tischfläche von 3 x 4 Metern zur Verfügung, welche anschließend in drei Bereiche getrennt wird. Die Menüvorgaben des Olympischen Komitees geben immer die grobe Richtung der Speisen vor und die einzelnen Teams bereiten dazu ihre individuellen Gerichte zu.

Die Grundfläche sollte in drei Teile aufgeteilt werden entsprechend den Themen Heer, Marine und Luftwaffe. In der Mitte der Fläche wird dann ein Drehteller mit dem Kreuz der Bundeswehr stehen und sich drehen. Auf dem Wasser sollen zwei Schiffe, auf der Fläche der Luftwaffe ein Flugzeug und im Bereich des Heeres mehrere Fahrzeuge sein. Weiterhin wurde der Wunsch geäußert, dass auf der Fläche eine Hand ein Essgeschirr der Bundeswehr halten soll.

Nach dem alle Klarheiten durch die Köche und uns beseitigt waren, ging es los. Hans-Georg Mundschenk, Björn Balser, Harald Kuhlbrodt, Jochen Mundschenk und Kai Menzel haben die Grundplatten aus gelben Dämmplatten gewählt und 9 Stück organisiert. Nachdem alle Platten dann zusammengelegt, die Größe an den Tisch angepasst und alle Bereiche eingezeichnet waren, ging es an die Realisierung der Platten.

Dies stellte uns zu Anfang vor ein großes Problem, da in unserem Vereinsheim nicht annähernd so viel Platz war wie benötigt. Hier kam uns das Angebot der Köche sehr gelegen, die Arbeiten in der Kaserne in Mainz weiterzuführen.

Das größte Problem war aber nicht die Gestaltung der Fläche, sondern der dezente Hinweis der Köche, dass die Fläche innerhalb von 2 Stunden in Erfurt in der Messehalle aufgebaut werden musste. 9 Platten und somit 18 m Anschlußfugen zwischen den Platten in zwei Stunden zu verschließen, das ließ uns echt zweifeln. Wir haben daraufhin die ganze Anlage auf Holzplatten geschraubt und geklebt und nur noch 6 m Fuge zu verschließen.

Das Meer wurde mittels Uniflott der Firma Knauf, Ponal und Wasser angemischt und dünn auf die Platten aufgetragen. Nach einigen Minuten war die Masse soweit angetrocknet, dass wir mit der ganzen Hand auf die Oberfläche fassen konnten und beim Hochziehen die Schaumkronen gebildet haben. Die Fläche wurde nach reiflicher Durchtrocknung blau gestrichen und anschließend die Schaumkronen mit der Trockenmaltechnik weiß gestrichen. Bei dieser Technik wird der Pinsel (in diesem Fall ein sehr breiter Pinsel aus dem Baumarkt) leicht in die Farbe getunkt und die Farbe mit einem Lappen aus dem Pinsel entfernt. Es bleiben nun noch einige Farbpartikel hängen, die auf den erhöhten Stellen hängen bleiben. Je weniger Farbe, umso realistischer das Ergebnis.

Die Fläche für das Heer wurde mit Zeitung, Ponal und anschließend mit Büschen, Gras und Steinen versehen. Damit die Fläche nicht nur bretteben wird, haben wir mehrere Lagen Dämmplatten verwendet. Bei dem Bereich der Luftwaffe haben wir auf Erhebungen verzichtet und mittels Holzbretter eine Landebahn eingesetzt.

In der Mitte der Landschaft sollte ein Drehteller stehen und das Bundeswehr-Kreuz erhöht tragen. Hier haben wir uns einen Eimer besorgt, diesen in rot / weiß (wie jeder gute Leuchtturm lackiert ist) gestrichen und oben eine Holzplatte draufgeschraubt. Da der Drehteller nicht sichtbar sein sollte, wurde mit Bauschaum, Ponal, Zeitung und viele Farbe ein Berg um den Drehteller gebaut.

Während der Baumaßnahmen haben diverse Modellbaukollegen die Modelle gebaut, die anschließend auf den Tischen aufgestellt werden sollten. Vielen Dank an Stefan Schmitt, Harald Kuhlbrodt, Kurt Kretschmer und Karl U. Reimers.

Es galt nun noch die letzte Aufgabe zu meistern. Wie werden die Teller aufgestellt, damit die Jury diese begutachten kann? Ursprünglich sollten die Teller auf oben angeschrägte Glaszylinder präsentiert werden. Schnell war klar, dass die nicht zum Gesamtbild passten. So wurden für die Wasserfläche Steine gebaut, für den Luftwaffenbereich Kontrolltürme und für den Bereich Heer kamen frische Baumstämme (5 cm Durchmesser) zum Einsatz.

Nach der Fertigstellung der Fläche wurden die drei Teilstücke von den Kameraden der Bundeswehr in den Lkw verladen und nach Erfurt in die dortige Kaserne gebracht.

Für unseren Eric war die Fahrt nach Erfurt schon etwas aussergewöhnliches, da er selbst kein Militär oder Flugzeugbauer ist, sondern Autos in allen Maßstäben und zivilen Versionen baut. Da Eric bei der Erstellung (die ging an ihm vorbei) der Grundplatte nicht involviert war, hat er sich umso mehr gefreut, als wir ihn um Aufbauhilfe baten.

Samstag 06.10.2012
Um 10:00 Uhr haben sich Eric Tratschitt, Hans-Georg Mundschenk und Kai Menzel auf den Weg nach Erfurt gemacht. Im Gepäck einen ganzen Kofferraum voll mit Werkzeug, Geländebaumaterial und Modellen und unendlich viel Vorfreude auf dieses neue Abenteuer.

Die Fahrt von 3 Stunden ist nicht erwähnenswert, so dass wir hier gleich zum Aufbau kommen wollen. Wir haben uns mit den Kameraden der Bundeswehr in der Kaserne getroffen und dort vereinbart, dass es um 18:30 Uhr zum Aufbau zur Messehalle geht. Somit blieb noch genug Zeit für einen ausgedehnten Bummel durch das schöne Erfurt.

Um 18:30 Uhr ging es im Konvoi zur Messe und wir haben uns den Stand angesehen. Schon hier gab es die ersten Probleme. Die Tische standen alle eng beieinander, so dass wir die Elektrokabel für den Drehteller nicht verlegen konnten. Ohne langes Zögern wurde entschieden, den Tisch der Messe zu opfern und mit der Stichsäge ein Loch in den Tisch zu sägen. Hier konnte Eric zeigen, was sein Tischtraktionswerkzeug alles hergab (na die Haustechniker werden Augen machen, wenn die den Tisch sehen). Während Hans-Georg und ich die Platten zusammen gefügt haben, durfte unser Eric den Tisch traktieren und ein sauberes Loch in die Mitte sägen. Der Drehteller konnte nun mit Strom versorgt werden. Weiterhin haben uns die Kameraden der Bundeswehr freudig mitgeteilt, dass jetzt noch 4 Stehlampen auf der Platte angebracht werden müssen. Also hat Eric kurzerhand den Akkuschrauber genommen und 4 Löcher in die Bodenplatten gebohrt, Ständer unter die Platten und Standleuchten aufgeschraubt. Das ganze sah echt gut aus.

Nun wurden die Standwände um die Tische geschoben und miteinander verschraubt und anschließend mit Tarnfolie (zum Kleben) versehen. Nachdem alle Wände montiert waren, musste Eric einem Tisch noch einmal zu nahe treten, da ja unsere Hand noch fehlte. Diese sollte doch das Essgeschirr halten. Harald Kuhlbrodt hat die Hand modelliert und einen Arm angebracht. Dieser Arm wurde mittels 3 Schrauben am Tisch von unten befestigt. Nun hatten wir schon zwei Tische mit Löchern verziert. Gut, dass Eric sein Werkzeug dabei hatte. Lachend

Nachdem die Wände alle montiert waren, haben Hans-Georg und ich die Spalten verschlossen. Bei der Wasserfläche wurde ein wenig getrickst. Da wir leider den Pinsel für die Schaumkronen vergessen haben, haben wir uns mit Rasierschaum aus der Dose beholfen. Hält ca. 1 Tag und macht echt was her. Um 21 Uhr konnten wir alle Arbeiten abschließen und uns befriedigt zurücklegen. Das Ganze sah echt gut aus.

Wir haben noch bis Mitternacht bei den Kameraden in der Küche verbracht und uns alle Speisen und deren Zubereitung angesehen. Allerdings mussten wir uns dann zurückziehen, da alte Männer ihren Schönheitsschlaf benötigen. Es war echt toll, den Köchen bei der Arbeit zuzusehen und anschließend die Ergebnisse zu betrachten. Es war wohl das absolut Größte für mich, echten Profis über die Schulter schauen zu dürfen. Ich kann jetzt sogar Bechamelsoße zubereiten. Vielen Dank dafür, allerdings werde ich keinen Muskat in meine Bechamelsoße geben. Hier weigere ich mich entschieden.

Wir durften die Nacht in der Kaserne verbringen und hatten sehr gemütliche Zimmer. Sehr ungewohnt war für mich allerdings, dass die WC-Anlage am Ende des Flures war und ich dazu eine längere Reise antreten musste. Da wir allerdings alleine im Block waren, konnte man sogar in Unterhose auf den Flur gehen, ohne dass einem jemand begegnete.

Am Sonntag haben wir, dank Freikarten, uns die Veranstaltung angesehen und wir waren sehr begeistert zu sehen, was man alles aus Lebensmitteln zaubern kann. Natürlich mussten wir uns die Bundeswehrplatte mit den fertig angerichteten Tellern betrachten und waren sehr erstaunt über die Kunstwerke.

War die Platte schon ohne die Teller ein klasse Anblick, so hat uns das Gesamtbild mit Tellern noch mehr begeistert.

Mittlerweile hat die Bundeswehr den 3. Platz (hinter Schweiz und Großbritannien) erreicht (Gold in der kalten Platte, Silber beim Kochwettbewerb). Für die erst neu zusammengestellte Truppe ist das ein klasse Ergebnis, daher erst mal unseren herzlichen Glückwunsch.

An dieser Stelle möchten wir uns noch einmal bei allen Mitgliedern des Kochteams der Bundeswehr bedanken, dass wir dieses Abenteuer mit ihnen bestreiten durften. Dies war ein Projekt der besonderen Art und hat uns allen viel Spaß gemacht.

Dies ist die Art von Abenteuer, die man nur einmal in seinem Leben erleben wird.

Vielen Dank dafür.

 

(Youtube-Video der Bundeswehr)

 

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