Oliver Stelmaszyk: Basilius-Kathedrale Moskau

Im Jahre 1552 eroberte der Zar Ivan IV (der Schreckliche) die Stadt Kazan von den Tartaren. Damit ging eine langwierige Tartarische Herrschaft über Russland zu Ende. Zur Erinnerung an dieses Ereignis entschloss sich Ivan, eine großartige Kathedrale bauen zu lassen. Zwei russische Baumeister, Barma und Postnik, bauten ab 1555 bis 1560 diese ungewöhnliche Kirche, die noch immer den Roten Platz in Moskau dominiert. Der Auftrag Ivans war, acht einzelne Kapellen in die Kirche einzubauen, die die acht Schlachten zur Wiedereroberung Kazans darstellen sollten.

Aber die Baumeister entschlossen sich, im Zusammenhang mit der Stabilität des Gebäudes, statt acht, neun zu bauen: Acht symmetrisch gruppiert um die neunte (und zentral gelegene) Kapelle. Die einzelnen Kapellen, die wechselnde Höhen haben, vier hohe und vier niedrige, wurden miteinander durch eine Galerie verbunden. Obwohl die Kathedrale auf den ersten Blick in einer undifferenzierten Mischung von Farben und Formen erscheint, sieht sie bei weiterer Betrachtung als vollständig symmetrisches Gebäude aus. Weiterhin sind die runden Bogen auffallend, die man ab den Arkaden in der Grundlinie der Kirche bis an die höher gelegenen, dynamisch aussehenden Fassaden sehen kann.

Die zentrale Kapelle hat einen typisch russischen achteckigen pyramidalen Turm mit der zwiebelförmigen Kuppel an der Spitze. Die außerordentliche Vielfalt in Farben und Ornamenten der Kuppel erinnert an die Entwürfe und Farben der tartarischen Teppiche und Objekte. Es ist eine der wenigen Beispiele der tartarischen Einflüsse auf die russische Kunst.

Ursprünglich war der Name der Kathedrale "Pokrova", Ehrentag der Marienverehrung, an welchem Tag Kazan erobert wurde. Aber die Kathedrale ist durchaus bekannt unter dem Namen "Vasilij Blazjennij" (Basilius der Glückselige), ein so genannter "Heiliger", der mit seinen Prophezeiungen viel Einfluss auf den jungen Ivan hatte. Er starb im Jahre 1547; später wurde er in der Kathedrale beigesetzt. Im Jahre 1588 wurde im Auftrag von Zar Fyodor Ivanowitsj eine kleine Kapelle über seinem Grab errichtet, die zehnte und kleinste Kuppel der Kathedrale. Zu diesem Zeitpunkt bekam die Kathedrale auch ihren heutigen Namen.

 

Dieses Modell der Basilius-Kathedrale wird von Leon Schuijt im Maßstab 1:160 angeboten. Das Modell umfasst ca. 230 Teile auf 8 A3-Bögen und war eines meiner ersten Kartonmodelle. Man startet mit dem Zusammenbau der zentralen Kapelle. Dann folgen nach außen hin die übrigen, kleineren Kapellen. Da alle Teile sprich Kapellen der Kathedrale miteinander zusammenhängen, ist klar, dass jede Ungenauigkeit beim Zusammenbau sich auf die nächste Baustufe(n) überträgt. So war es auch nicht verwunderlich, dass schon nach kurzer Zeit die Kathedrale dem Schiefen Turm von Pisa glich. Also ab in die Tonne damit. Der zweite Anlauf war zumindest dahingehend erfolgreicher, dass das Modell einen gerade Eindruck machte. Ich hatte den Unterbau in der Mitte der Kathedrale entsprechend mit dickem Karton verstärkt, um mehr Stabilität zu erreichen, wenn nach oben und zur Seite immer mehr Komponenten angefügt werden.

Das nächste größere Problem war der Zusammenbau der zwiebelförmigen Kuppeln. Passgenauer Zusammenbau und auch noch die typische Form einzuhalten ohne Dellen reinzumachen, das war verdammt schwer. Zum Üben hatte ich ja noch die Teile aus dem ersten Versuch. Die Kreuze auf der Spitze wurden vorsichtig mit etwas Sekundenkleber verstärkt. Das Endergebnis war alles in allem doch recht gut für meine Verhältnisse. Kniffelig wurde es dann noch einmal bei den diversen Dächern der verschiedenen Kapellen. Trotz aller Vorsorge gab es einige Spalte, die ich dann mit Kleber, Wachs und entsprechender Farbe vorsichtig kaschiert musste. Mit "Gewalt" eine Kapelle an die zentrale Kapelle dranzukleben, kann im schlimmsten Fall nur dazu führen, dass sich das (ganze) Modell verzieht. Das war dann eher das größere Übel. So meine Einschätzung.

Das war ein umfangreiches und für Anfänger nicht unbedingt geeignetes Modell. Aber der Bau vermittelte doch ein sehr schönes Gefühl für die Komplexität dieses Gebäude und die Ideen ihrer Schöpfer. Eine gewisse Ehrfurcht war zu spüren, nachdem diese Projekt abgeschlossen war. Und das war schon aller Mühen wert.